Schlaf ist eine Erholung für Körper und Geist.
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt konnten noch nicht alle Einzelheiten zum
Thema Schlaf geklärt werden. Die meisten Wissenschaftler sind sich aber einig,
dass der Schlaf für das menschliche Leben von vitaler Bedeutung ist. Ohne Schlaf
ist ein aktives und gesundes Leben kaum möglich. Schlafmangel verursacht eine
körperlichen Erschöpfung, Gedächtnisverlust und eine nachlassende
Konzentrationsfähigkeit.
Wir verbringen circa ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen – wir merken
wann wir ihn brauchen und wir spüren, wann unser Schlafbedürfnis gedeckt ist.
Eine Person mit einem gesunden Schlaf erscheint oft wie bewusstlos, denn es
erfolgen kaum körperliche Aktivitäten und die Umwelt wird nur in sehr
reduziertem Maße wahrgenommen. Der Unterschied aber, zwischen einem gesunden
Schlaf und einer Narkose oder einem Koma liegt darin, dass die Person sehr
leicht geweckt werden kann und in kürzester Zeit in einen normalen Wachzustand
zurückfindet.
Der Schlaf lässt sich in die beiden Schlafzustände Non-REM-Schlaf (non rapid
eye movement-Schlaf) und REM-Schlaf (rapid eye movement-Schlaf) unterteilen.
Diese beiden Schlafzustände wechseln sich während einer Nacht mehrmals ab und
unterscheiden sich in hohem Maße.
Der Non-REM-Schlaf kennzeichnet einen Schlafzustand ohne schnelle
Augenbewegungen und lässt sich in 4 Stadien unterteilen. Diese Stadien
reichen vom Einschlafen bis zum Tiefschlaf und unterscheiden sich bezüglich
Amplitude und Geschwindigkeit der Deltawellen. Als Deltawellen werden
Gehirnwellen, die von einem Schlafenden erzeugt werden, bezeichnet. Da die
größten und langsamsten Deltawellen während dem 3. und 4. Stadium stattfinden,
werden diese beiden Phasen unter dem Begriff Tiefschlaf, slow wave-Schlaf oder
Deltaschlaf zusammengefasst.
Während in dem Non-REM-Schlaf nur stark reduzierte Augenbewegungen
stattfinden, sind in der REM-Schlafphase schnelle Augenbewegungen zu erkennen.
Der REM-Schlaf wird auch als 5. Stadium bezeichnet. Es wird vermutet, dass die
Träume, die nur in dieser Phase auftreten können, die Bewegungen der Augen
beeinflussen. Das Bewegungsmuster der Augen soll somit den Blickbewegungen im
Traum entsprechen. Während der 5. Schlafphase herrscht ein geringer
Spannungszustand der Muskulatur; der Körper befindet sich in einem Zustand der
muskulären Erschlaffung. Lediglich das Herz, die Augenmuskeln, das Zwerchfell
und die glatte Muskulatur sind noch aktiv.
Viele Wissenschaftler haben versucht herauszufinden, in welcher Phase der
Schlaf am tiefsten ist. Also untersuchte man, welcher Geräuschpegel bzw. welche
Stärke anderer Weckreize erforderlich ist, um einen Schlafenden aus
verschiedenen Schlafphasen zu erwecken.
Ein Schlafender kann grundsätzlich aus jeder Phase seines Schlafes
erweckt werden, im Gegensatz zu jemandem, der sich im Koma befindet. Die
Schlafstadien 3 und 4 erfordern jedoch die stärksten Weckreize, weshalb man
diese Schlafphase oft als Tiefschlaf bezeichnet. In dieser Phase des
Non-REM-Schlafes werden große Mengen Wachstumshormon aus der Hirnanhangdrüse
ausgeschüttet.Dies ist die Grundlage für die Annahme, daß in der Tiefschlafphase
eine Regeneration des Körpers von den ermüdenden Aktivitäten des Wachzustandes
stattfindet.
Während der REM-Phase reagieren Schlafende sehr unterschiedlich
auf Weckreize: manchmal genügt das geringste Geräusch, um sie zu wecken, ein
andermal bedarf es hierfür sehr viel stärkerer Reize. Diese Tatsache veranlaßt
Wissenschafter zu der Annahme, daß auch im REM-Schlaf eine Phase tiefen Schlafs
vorkommt.
Es gibt viele Theorien über die Aufgaben von REM-Schlaf und Traum, sie
reichen von »Wunscherfüllung« bis hin zur Aufrechterhaltung von »Erinnerungen«.
Unter den Forschern war die Theorie verbreitet, daß der REM-Schlaf für
psychisches Wohlbefinden erforderlich ist, da ein experimenteller
REM-Schlafentzug bei einigen Versuchspersonen auffällige Verhaltensmuster
hervorrief. Diese Vorstellung von der Bedeutung des REM-Schlafes für unsere
geistige Gesundheit wird jedoch heute weitgehend in Frage gestellt, unter
anderem, da Fälle bekannt sind, in denen ein langdauernder und fast
vollständiger REM-Schlafentzug gut toleriert wurde.
Einige Experimente zeigten, daß sich ein REM-Schlafentzug günstig auf die
Behandlung von Depressionen auswirkt. Dennoch muß der REM-Schlaf eine wichtige
Funktion haben, da Ratten nach einem zwei- bis dreiwöchigen REM-Entzug sterben,
wobei mit Hilfe eines speziellen Computerprogrammes die Ratten immer dann
geweckt wurden, wenn sie den REM-Schlaf erreichten.
Der Nobelpreisträger Francis Crick vertritt die Theorie, daß während der
REM-Phase das Gehirn im Sinne einer »Aufarbeitung«, von zu abgenutzten
gedanklichen Assoziationen befreit wird, wodurch die kognitiven Fähigkeiten
während der Aktivitätsphase verbessert werden.
Welche Bedeutung der REM-Schlaf auch immer haben mag, es steht unumstritten
fest, daß alle Lebensvorgänge von der Proteinherstellung bis zur sexuellen
Erregung einschließlich des Orgasmus vom REM-Schlaf beeinflußt werden. Die noch
ausstehende, letztendliche Erklärung des REM-Schlafes muß also sehr viele
Aspekte berücksichtigen und darf sich nicht nur auf eine einzelne physiologische
Funktion beschränken.